Hungerstreik für bedrohte Landschaft
Zwei junge Menschen stellten sich dem Abrissbagger in den Weg

Berlin: Robert Künne (22) und Franziska Liesigk (26) beendeten Ihren Hungerstreik am 30.März 2004 nach 41 Tagen aus gesundheitlichen Gründen.

Durch den Vattenfallkonzern gab es immer noch keine offizielle Reaktion auf den Appell der zwei Hungerstreikenden. Beide zeigten sich enttäuscht über das Verhalten des Großkonzerns, wollen Ihre Arbeit für und in Lacoma aber fortsetzen.

Dazu Robert: “Der Hungerstreik ist beendet. Unser Appell gilt weiter: Vattenfall - stoppen sie sofort ihre Eingriffe in die Lacomaer Teichlandschaft, in das Dorf Lacoma und seiner Natur, bis Bürger, Bergamt und die EU- Kommission in dem wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahren über den Verbleib des anerkannten Gebietes entschieden haben.“

Franziska: „Uns ist klar geworden, dass, was zählt, ist das Leben. Wir stehen für das Leben und nicht den Tod. Für das Leben Lacomas fühlen wir uns immer noch verantwortlich. Dafür hätten wir auch weitergehungert, aber wir werden lebendig gebraucht, als Teil Lacomas.“

Das Ende des Hungerstreikes, der während der letzten eineinhalb Wochen demonstrativ vor dem Vattenfall-Gebäude in Berlin stattfand, stellt also keine Kapitulation dar.

Das Anliegen der beiden wurde von der Umweltschutzorganisation Robin Wood, sowie von Freunden und Unterstützern in einer Protestestaktion vor dem Vattenfall-Hauptquartier in Berlin fortgetragen. Diese hat gezeigt, dass zwar der Hungerstreik, nicht aber die Auseinandersetzung um das Lacomaer Teichgebiet beendet ist.

Ältere Pressemittelung:
( 18.2.2004)

In Lacoma bei Cottbus werden ab Donnerstag zwei junge Menschen in einem von Abriss bedrohten Haus in den unbefristeten Hungerstreik treten. Franziska Liesigk (26) und Robert Künne (22) wollen damit gegen die anhaltenden Vorbereitungen für den Braunkohletagebau protestieren. "Wir wehren uns dagegen, dass in Lacoma immer mehr zerstört und abgerissen wird, bevor überhaupt über die Zukunft der Lacomaer Teichlandschaft entschieden ist." begründen Franziska und Robert ihren Schritt. Bis zu dieser Entscheidung wäre das Aussetzen aller Abrisse im Dorf möglich. "Wir möchten, bevor die nächste Abrisswelle durchs Dorf rollt, und das Dorf immer weiter entvölkert wird, Vattenfall um einen Aufschub bitten. Unser Hungerstreik entspringt einer lang gereiften Entscheidung.

Wir beziehen unsere Energie unter anderem von den mehr als 300 Menschen, die sich im Herbst auf einer Protestwanderung für Lacoma ausgesprochen haben." Ob die wertvollen Lacomaer Teiche dem Tagebau Cottbus-Nord weichen dürfen, soll in einem gerade laufenden Planfeststellungsverfahren entschieden werden. Dort kann sich auch jeder Bürger mit Einwendungen für den Erhalt der Landschaft beteiligen. Der Lacoma-Verein hat Alternativvorschläge zur Abbaggerung in seinem Konzept "Eine Vision für Lacoma" veröffentlicht.

Freunde und Unterstützer von Robert und Franziska begannen eine Mahnwache. Die Häuser, an denen sich Hungerstreik und Mahnwache befinden, sind für tagebauvorbereitende Planungen noch nicht erforderlich, und könnten demzufolge noch bis 2005 genutzt werden. Dennoch hat der Kohlekonzern Vattenfall Europe die Nutzungsverträge gekündigt und den Abriss angekündigt. 

 Das Foto zeigt Franziska Liesigk und Robert Künne vor dem bedrohten Hammergraben in Lacoma


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