Verbliebene Nutzungsverträge gekündigt - Verein im Widerspruch
(1.9.2004)

Bereits zum 30.November soll der Lacoma-Verein die Häuser 8 und 12 räumen. So will es ein Kündigungsschreiben der Stadt vom 19. August. Der Verein lehnt das vehement ab und wandte sich in einem offenen Brief an die Oberbürgermeisterin der Stadt Cottbus. 

Offener Brief

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Karin Rätzel,
als Bürger und Wähler der Stadt Cottbus wenden wir uns heute direkt an Sie. Mit großem Befremden haben wir die Kündigung der verbliebenen Nutzungsverträge durch das Liegenschaftsamt der Stadt Cottbus zur Kenntnis genommen.
Wir widersprechen dieser Kündigung, da aus unserer Sicht kein Grund für eine vorzeitige Kündigung besteht. Die Nutzungsverträge wurden von allen Beteiligten mit dem Ziel abgeschlossen eine Nutzung bis zur bergbaulichen Inanspruchnahme zu ermöglichen. Andernfalls wurde als Ende der Nutzung der 30. Juni 2005 vereinbart.
Der Stand des laufenden Planfeststellungsverfahrens zum Lacomaer Teichgebiet dürfte Ihnen bekannt sein, da am diesbezüglichen Erörterungstermin auch Vertreter Ihrer Stadtverwaltung teilnahmen. Unter anderem steht die Stellungnahme der EU-Kommission noch aus, müssen hunderte Grundeigentümer in der Spreeaue erneut beteiligt und die Bedenken von etwa 2000 Menschen der Region in der Abwägung berücksichtigt werden. Ob die bergbauliche Inanspruchnahme bevorsteht, ist damit weiterhin nicht geklärt, es gibt bisher keine Genehmigungs- oder Planungsentscheidung, die das zwingend zur Folge hätte.
Vor diesem Hintergrund empfi nden wir es als Willkür, die Nutzung des Dorfes vor einer solchen Entscheidung beenden zu wollen. Sollte der Kohlekonzern Angst vor einem Weiterbestehen des Dorfes im Jahre 2005 haben, kann es nicht Politik der Stadt Cottbus sein, dies ohne vernünftigen Grund zu unterstützen. Die Stadt sollte dem Gemeinwohl stärker verpfl ichtet sein, als dem Wohl des Unternehmens Vattenfall. Wir verweisen diesbezüglich nochmals auf unser Positionspapier "Eine Vision für Lacoma", das Möglichkeiten einer Revitalisierung des Ortes zu Wohle der Region aufzeigt.
Den Ortsbeirat Willmersdorf haben wir über die Lage in Kenntnis gesetzt. Er ist ebenfalls der Auffassung, dass bevor im Planfeststellungsverfahren nicht entschieden ist, eine Inanspruchnahme noch einmal überdacht werden sollte.
Wir fordern Sie deshalb dazu auf, eine Beendigung des Nutzungsverhältnisses zwischen Vattenfall, Stadt und Zwischennutzern ebenfalls nicht zu akzeptieren. Die Stadt sollte die langfristigen Entwicklungschancen, die die Ortslage Lacoma nach wie vor bietet, nicht aufs Spiel setzen und über einen Abbruch des Ortes erst dann entscheiden, wenn die Rechtslage zur Zukunft des Teichgebietes feststeht.
In der Hoffnung, dass unserem Verein die Möglichkeit gegeben wird, auch im Jahr 2005 das Kulturleben der Stadt Cottbus zu bereichern, verbleiben wir mit freundlichen Grüßen

Thomas Neumann, Ralf Röhr, René Schuster
(Vorstandsmitglieder)

Ofen aus in der Gerüchteküche...

Wenn man den Gerüchten glaubt, hat ja jeder Kohlewiderständler schon vor zehn Jahren woanders ein Haus gekauft, ist längst auf der sicheren Seite und stänkert nur noch aus purer Bosheit. Davon können Betroffene in verschiedenen Dörfern seit Jahren ein Lied singen. Die Frage, wer an solchen Märchen ein Interesse hat, erübrigt sich wohl.
Also sei es mal gleich klargestellt: Weder kaufen Vorstandsmitglieder des Lacoma e.V. Höfe, noch steht der Verein kurz vor der Aufl ösung und genauso wenig will er seine Arbeit woanders ansiedeln.
Richtig ist allerdings, dass der Verein auf der Suche nach einem Grundstück oder Gebäude in der näheren Umgebung ist. Dort soll im schlimmsten Fall der Vereinsbesitz untergestellt werden, aber auch eine Basis bestehen, die nicht auf Verträge mit Vattenfall angewiesen ist. Über konkrete derartige Objekte und den weiteren Umgang mit den Kündigungen wird in den nächsten Monaten eine Mitgliederversammlung entscheiden.
Ziel des Vereins bleibt weiterhin ganz klar die Umsetzung der "Vision für Lacoma", wie sie öffentlich vorgestellt wurde und auf der Homepage www.lacoma.de nachzulesen ist. Sollte die Stadt Cottbus so dumm sein, einen Abriss der restlichen Häuser in Lacoma zuzulassen, werden wir uns trotzdem, für eine modellhafte Revitalisierung dieser Siedlung einsetzen.


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